Was ist Priligy?
Priligy ist das erste und einzige in Deutschland zugelassene Medikament speziell zur Behandlung des vorzeitigen Samenergusses (Ejaculatio praecox). Der Wirkstoff Dapoxetin gehört zur Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), wurde aber speziell für diese Indikation entwickelt.
Anders als andere SSRI, die als Antidepressiva täglich eingenommen werden, wirkt Dapoxetin sehr schnell und wird nur bei Bedarf eingenommen. Die Wirkung setzt bereits bei der ersten Einnahme ein – keine wochenlange Aufsättigung notwendig.
In klinischen Studien konnte Priligy die Zeit bis zum Samenerguss um das 2- bis 3-Fache verlängern. Viele Männer berichten auch über eine verbesserte Kontrolle und höhere Zufriedenheit mit dem Sexualleben.
Das Medikament wird von Menarini vertrieben und ist seit 2009 in Deutschland erhältlich.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Dapoxetin
Der Hintergrund: Der vorzeitige Samenerguss hat oft mit einem Ungleichgewicht des Botenstoffs Serotonin im Gehirn zu tun. Serotonin spielt eine wichtige Rolle bei der Kontrolle der Ejakulation – höhere Serotonin-Spiegel können den Ejakulationsreflex hemmen.
Die Wirkung von Dapoxetin: Dapoxetin hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin in die Nervenzellen. Dadurch bleibt mehr Serotonin im synaptischen Spalt verfügbar und die Signalübertragung wird verändert. Dies führt zu einer besseren Kontrolle über den Ejakulationszeitpunkt.
Was Dapoxetin besonders macht:
- Einnahme nur bei Bedarf, nicht täglich
- Wirkung bereits bei der ersten Einnahme
- Keine Akkumulation im Körper
Studienergebnisse: Die durchschnittliche Zeit bis zum Samenerguss verlängerte sich in Studien von etwa 1 Minute auf 3-4 Minuten. Über 50% der Männer berichteten über eine deutlich verbesserte Kontrolle.
Für wen ist es geeignet?
Priligy ist geeignet für Männer mit:
Primärem (lebenslangem) vorzeitigem Samenerguss:
- Das Problem besteht seit den ersten sexuellen Erfahrungen
- Oft genetisch oder neurobiologisch bedingt
- Typische Zeit bis zur Ejakulation: unter 1-2 Minuten
Erworbenem vorzeitigem Samenerguss:
- Das Problem trat erst im Laufe des Lebens auf
- Oft in Verbindung mit Stress, Beziehungsproblemen oder Erektionsstörungen
- Beginn nach einer Phase normaler Ejakulationskontrolle
Wichtige Voraussetzungen:
- Alter 18-64 Jahre
- Diagnose vorzeitiger Samenerguss
- Deutlicher Leidensdruck
- Keine schwerwiegenden Herzerkrankungen
- Keine Einnahme bestimmter Medikamente (siehe Kontraindikationen)
Priligy kann kombiniert werden mit:
- PDE-5-Hemmern (Sildenafil, Tadalafil) bei gleichzeitiger Erektionsstörung
- Der Arzt sollte diese Kombination aber überwachen
Verfügbare Dosierungen
Verfügbare Dosierungen:
- 30 mg – Empfohlene Anfangsdosis
- 60 mg – Bei unzureichender Wirkung und guter Verträglichkeit
Dosierungsempfehlungen:
- Start: 30 mg, 1-3 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr
- Bei unzureichender Wirkung: Steigerung auf 60 mg möglich
- Bei starken Nebenwirkungen: Bei 30 mg bleiben oder Therapie überdenken
Wichtig:
- Höchstens eine Dosis pro 24 Stunden
- Nur bei geplantem Geschlechtsverkehr einnehmen
- Nicht zur täglichen Dauereinnahme geeignet
Erste Beurteilung: Nach 4 Wochen oder 6 Einnahmen sollte der Behandlungserfolg überprüft werden. Wenn keine ausreichende Wirkung eintritt, sollte die Therapie nicht fortgesetzt werden.
Einnahmehinweise
Einnahme:
- 1-3 Stunden vor dem geplanten Geschlechtsverkehr
- Tablette unzerkaut mit einem Glas Wasser schlucken
- Mit oder ohne Nahrung möglich
- Nicht mehr als einmal täglich
Optimaler Zeitpunkt: Die Wirkung ist etwa 1-3 Stunden nach der Einnahme am stärksten. Planen Sie entsprechend, aber setzen Sie sich nicht unter Druck – Priligy wirkt auch, wenn die Einnahme etwas früher oder später erfolgt.
Was Sie erwarten können:
- Verlängerung der Zeit bis zum Samenerguss
- Bessere Kontrolle über den Zeitpunkt
- Möglicherweise höhere sexuelle Zufriedenheit
- Die Wirkung setzt bereits bei der ersten Einnahme ein
Alkohol: Die Kombination mit Alkohol wird nicht empfohlen. Alkohol verstärkt das Risiko für Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Ohnmacht.
Nach der Einnahme: Achten Sie auf Schwindel oder Benommenheit, besonders beim Aufstehen. Stehen Sie langsam auf und setzen oder legen Sie sich hin, wenn Sie sich unwohl fühlen.
Gegenanzeigen
Absolute Kontraindikationen:
Herzerkrankungen:
- Herzinsuffizienz (NYHA II-IV)
- Schwere Herzrhythmusstörungen
- Koronare Herzkrankheit
- Herzklappenerkrankungen
Psychische Erkrankungen:
- Depression (auch in der Vorgeschichte)
- Bipolare Störung
- Manie
Medikamenten-Interaktionen:
- MAO-Hemmer (auch bis 14 Tage nach dem Absetzen)
- Andere SSRI oder SNRI
- Trizyklische Antidepressiva
- Triptane (Migränemittel)
- Tramadol
- Johanniskraut
- Starke CYP3A4-Hemmer (Ketoconazol, Ritonavir, etc.)
Weitere Kontraindikationen:
- Schwere Leberinsuffizienz
- Ohnmachtsneigung in der Vorgeschichte
- Unkontrollierte Epilepsie
- Alter unter 18 oder über 64 Jahre
Vorsicht bei:
- Niedriger Blutdruck
- Orthostatischer Hypotonie
- Einnahme von Blutdrucksenkern
Mögliche Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen (1-10%):
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Durchfall
- Müdigkeit, Schläfrigkeit
- Schlafstörungen
- Nervosität
Gelegentlich (0,1-1%):
- Verschwommenes Sehen
- Mundtrockenheit
- Schwitzen
- Erektionsprobleme (paradox)
- Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie)
Seltene, aber wichtige Nebenwirkungen:
- Ohnmacht (Synkope): Besonders bei Aufstehen oder in Kombination mit Alkohol. Liegt vorzugsweise in den ersten Stunden nach der Einnahme. Sofort hinsetzen oder hinlegen bei Schwindelgefühl.
- Serotonin-Syndrom: Bei Kombination mit anderen serotonergen Medikamenten. Symptome: Unruhe, Zittern, Schwitzen, Fieber – sofort Arzt aufsuchen.
Hinweis: Viele Nebenwirkungen (Übelkeit, Schwindel) sind dosisabhängig und treten bei 30 mg seltener auf als bei 60 mg.
Wechselwirkungen
Absolut kontraindiziert:
- MAO-Hemmer: Schwere, potenziell lebensbedrohliche Wechselwirkungen
- Andere SSRI/SNRI: Erhöhtes Serotonin-Syndrom-Risiko
- Triptane: Erhöhtes Serotonin-Syndrom-Risiko
- Tramadol: Erhöhtes Serotonin-Syndrom-Risiko
- Starke CYP3A4-Hemmer: Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir
Wichtige Wechselwirkungen:
- Moderate CYP3A4-Hemmer (Erythromycin, Fluconazol): Maximaldosis 30 mg
- CYP2D6-Hemmer: Vorsicht, Dapoxetin-Spiegel können erhöht sein
- PDE-5-Hemmer: Kombination möglich, aber engmaschige Überwachung
- Blutdruckmedikamente: Verstärkte Blutdrucksenkung möglich
- Alkohol: Erhöht Risiko für Ohnmacht und Nebenwirkungen
Johanniskraut: Nicht gleichzeitig einnehmen – erhöhtes Serotonin-Syndrom-Risiko.
Häufige Fragen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Lesen Sie vor der Einnahme die Packungsbeilage.



