Migraene verstehen: Mehr als nur Kopfschmerzen
Migraene ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, oft einseitige, pulsierende Kopfschmerzen auszeichnet. In Deutschland leiden etwa 10 bis 15 Prozent der Bevoelkerung an Migraene, Frauen etwa dreimal haeufiger als Maenner.
Ein Migraeneanfall dauert typischerweise 4 bis 72 Stunden und wird haeufig von Uebelkeit, Erbrechen, Licht- und Laermempfindlichkeit begleitet. Etwa ein Drittel der Betroffenen erlebt zusaetzlich eine Aura: voruebergehende neurologische Symptome wie Sehstoerungen, Kribbeln oder Sprachstoerungen, die dem Kopfschmerz vorausgehen.
Die Ausloeser (Trigger) sind individuell verschieden: Stress, Schlafstoerungen, hormonelle Schwankungen, bestimmte Nahrungsmittel oder Wetterveraenderungen koennen einen Anfall ausloesen. Ein Migraenetagebuch hilft, persoenliche Trigger zu identifizieren und kuenftige Anfaelle zu reduzieren.
Akutbehandlung: Triptane und Schmerzmittel
Bei einem akuten Migraeneanfall stehen verschiedene Medikamente zur Verfuegung:
Einfache Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Anfaellen koennen rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen (400 bis 600 mg), ASS (1000 mg) oder Paracetamol (1000 mg) ausreichen. Sie sollten fruehzeitig eingenommen werden, am besten in Kombination mit einem Antiemetikum wie Metoclopramid, das die Resorption verbessert.
Triptane: Bei mittelschweren bis schweren Anfaellen sind Triptane die wirksamsten Medikamente. Sie wirken gezielt an den Serotonin-Rezeptoren im Gehirn und lindern sowohl den Kopfschmerz als auch Begleitsymptome. Gaengige Wirkstoffe sind Sumatriptan (auch rezeptfrei in niedriger Dosierung), Rizatriptan, Zolmitriptan und Almotriptan.
Wichtig bei Triptanen: Sie sollten nicht waehrend der Aura, sondern erst bei Einsetzen der Kopfschmerzen eingenommen werden. Pro Monat sollten Triptane an nicht mehr als 10 Tagen angewendet werden, um einen Medikamenten-Uebergebrauchs-Kopfschmerz zu vermeiden.
Migraene-Prophylaxe: Anfaelle verhindern
Bei haeufigen Migraeneattacken (mehr als drei pro Monat) oder besonders schweren Verlaeufen kann eine vorbeugende Therapie sinnvoll sein:
Klassische Prophylaxe: Betablocker (Metoprolol, Propranolol), Antikonvulsiva (Topiramat, Valproinsaeure), Antidepressiva (Amitriptylin) und Kalziumkanalblocker (Flunarizin) sind bewaehrte Optionen. Sie muessen taeglich eingenommen werden und brauchen einige Wochen, bis die volle Wirkung eintritt.
CGRP-Antikoerper: Eine neuere Medikamentenklasse, die gezielt das Calcitonin-Gene-Related Peptide (CGRP) blockiert, das eine zentrale Rolle bei der Migraeneentstehung spielt. Praeparate wie Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab werden als monatliche Injektionen verabreicht und sind gut vertraeglich. Sie werden von den Krankenkassen erstattet, wenn andere Prophylaxen versagt haben.
Nicht-medikamentoese Massnahmen: Ausdauersport, Entspannungsverfahren (progressive Muskelrelaxation), Biofeedback und Akupunktur haben sich als ergaenzende Massnahmen bewaehrt. Sie koennen die Anfallshaeufigkeit um 30 bis 50 Prozent reduzieren.
Cannabis bei Migraene: Eine Option?
Medizinisches Cannabis wird zunehmend als ergaenzende Option bei chronischer Migraene diskutiert. Die Studienlage ist noch begrenzt, aber erste Ergebnisse deuten auf eine moegliche Wirksamkeit hin:
Cannabinoide koennen ueber das Endocannabinoidsystem schmerzlindernd und entzuendungshemmend wirken. Einige Patienten berichten ueber eine Reduktion der Anfallshaeufigkeit und -schwere unter Cannabis-Therapie.
Wichtig zu wissen: Cannabis ist bei Migraene keine Erstlinientherapie. Es kommt in Frage, wenn konventionelle Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden. Die Verschreibung erfolgt durch einen Arzt und erfordert eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwaegung.
Besonders CBD (Cannabidiol) wird aufgrund seiner entzuendungshemmenden Eigenschaften ohne psychoaktive Wirkung als ergaenzende Option diskutiert. Die Evidenz ist jedoch noch nicht ausreichend, um eine generelle Empfehlung auszusprechen.
Migraene-Rezept online erhalten
Viele Migraene-Medikamente sind verschreibungspflichtig, darunter hoeher dosierte Triptane, Prophylaxe-Medikamente und Cannabis-Praeparate. Ueber telemedizinische Plattformen koennen Sie ein Rezept erhalten, wenn der behandelnde Arzt die Behandlung fuer angemessen haelt.
Der Ablauf: Sie schildern Ihre Migraenesymptome, Anfallshaeufigkeit, bisherige Behandlungen und Vorerkrankungen in einem strukturierten Fragebogen. Der Arzt beurteilt, ob eine medikamentoese Therapie angezeigt ist und welches Praeparat am besten geeignet ist.
Bei erstmaliger Migraenediagnose oder komplexen Verlaeufen ist eine persoenliche neurologische Untersuchung empfehlenswert, um andere Kopfschmerzursachen auszuschliessen. Fuer Folgerezepte bei bekannter Migraene ist die Telemedizin jedoch eine bequeme und zeitsparende Alternative.




