Was ist Carvedilol?
Carvedilol ist ein Betablocker der dritten Generation mit einem einzigartigen Wirkprofil: Er blockiert nicht nur Beta-1- und Beta-2-Rezeptoren, sondern auch Alpha-1-Rezeptoren. Diese dreifache Blockade führt zu einer besonders effektiven Senkung des Blutdrucks und einer Entlastung des Herzens.
Carvedilol ist besonders gut bei chronischer Herzinsuffizienz untersucht und hat in großen Studien (COPERNICUS, COMET) die Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz gesenkt. Es wird bei Bluthochdruck, chronischer Herzinsuffizienz und koronarer Herzkrankheit eingesetzt.
Aufgrund der zusätzlichen Alpha-Blockade muss Carvedilol zweimal täglich eingenommen werden. Verfügbare Präparate sind u. a. Carvedilol-ratiopharm® und Dilatrend®.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Carvedilol
Carvedilol hat einen dreifachen Wirkmechanismus:
Beta-1-Blockade (am Herzen):
- Senkt Herzfrequenz und Schlagkraft
- Reduziert den Sauerstoffverbrauch
- Hemmt die Renin-Freisetzung
Beta-2-Blockade (an Lunge und Gefäßen):
- Nicht kardioselektiv
- Cave: Bronchospasmus bei Asthma möglich
Alpha-1-Blockade (an den Gefäßen):
- Erweitert die peripheren Blutgefäße
- Senkt den Gefäßwiderstand
- Reduziert die Nachlast des Herzens
- Verbessert die Durchblutung
Zusätzliche Eigenschaften:
- Antioxidative Wirkung
- Stabilisierung der Zellmembranen
- Keine negative Beeinflussung der Insulinsensitivität
- Günstige Effekte auf den Fettstoffwechsel
Wirkungseintritt: Maximale Blutdrucksenkung nach 1-2 Stunden. Stabile Einstellung nach 1-2 Wochen.
Für wen ist es geeignet?
Carvedilol ist geeignet für:
- Erwachsene mit Bluthochdruck
- Chronische stabile Herzinsuffizienz (NYHA II-IV)
- Chronische stabile Angina pectoris
Besonders empfohlen bei:
- Herzinsuffizienz (starke Studienbelege)
- Bluthochdruck mit erhöhtem peripheren Widerstand
- Patienten nach Herzinfarkt
- Leberzirrhose mit portaler Hypertension (off-label)
Nicht geeignet:
- Schweres Asthma bronchiale (nicht kardioselektiv!)
- AV-Block II./III. Grades
- Schwere Bradykardie
- Dekompensierte Herzinsuffizienz
- Schwere Leberinsuffizienz
- Kardiogener Schock
Verfügbare Dosierungen
Bluthochdruck:
- Startdosis: 12,5 mg einmal täglich (1. und 2. Tag)
- Dann: 25 mg einmal oder zweimal täglich
- Maximaldosis: 50 mg täglich (aufgeteilt)
Herzinsuffizienz:
- Startdosis: 3,125 mg zweimal täglich
- Steigerung alle 2 Wochen: 6,25 mg → 12,5 mg → 25 mg (jeweils 2x)
- Zieldosis: 25 mg zweimal täglich (bis 85 kg) oder 50 mg zweimal täglich (über 85 kg)
Angina pectoris:
- Startdosis: 12,5 mg zweimal täglich
- Nach 2 Tagen: 25 mg zweimal täglich
Verfügbare Stärken:
- 3,125 mg, 6,25 mg, 12,5 mg, 25 mg Tabletten
Einnahmehinweise
Einnahme:
- Zweimal täglich (morgens und abends)
- Zu den Mahlzeiten einnehmen (bessere Verträglichkeit, langsamere Aufnahme)
- Mit ausreichend Wasser
- Patienten mit Herzinsuffizienz: langsam aufstehen (orthostatische Hypotonie)
Bei Herzinsuffizienz:
- Sehr langsame Dosissteigerung (alle 2 Wochen)
- Beginn nur bei stabiler Herzinsuffizienz
- Engmaschige ärztliche Überwachung
- Bei Verschlechterung: Dosis reduzieren
Wichtige Hinweise:
- Nicht abrupt absetzen
- Regelmäßige Blutdruck-, Puls- und Gewichtskontrollen
- Asthmatiker: Carvedilol ist nicht geeignet (nicht kardioselektiv)
Gegenanzeigen
Carvedilol darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Carvedilol
- Dekompensierte Herzinsuffizienz (i.v.-Therapie nötig)
- Schwere Leberinsuffizienz
- AV-Block II./III. Grades (ohne Schrittmacher)
- Schwere Bradykardie (unter 50/min)
- Sick-Sinus-Syndrom
- Kardiogener Schock
- Schwere Hypotonie (unter 85 mmHg systolisch)
- Asthma bronchiale oder schwere COPD
- Unbehandeltes Phäochromozytom
Vorsicht bei:
- Diabetes mellitus (kann Hypoglykämie-Symptome maskieren)
- Periphere Durchblutungsstörungen
- Prinzmetal-Angina
- Kontaktlinsenträger (verminderte Tränenflüssigkeit)
- Psoriasis
Schwangerschaft: Kontraindiziert. Betablocker können zu Wachstumsverzögerung und Bradykardie beim Neugeborenen führen.
Mögliche Nebenwirkungen
Sehr häufig (über 10%):
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit (besonders zu Beginn)
Häufig (1-10%):
- Bradykardie
- Orthostatische Hypotonie (besonders bei Herzinsuffizienz)
- Ödeme
- Gewichtszunahme
- Magen-Darm-Beschwerden
- Sehstörungen
- Verminderte Tränenflüssigkeit
Gelegentlich (0,1-1%):
- Depressive Verstimmung
- Schlafstörungen
- Potenzstörungen
- Hautausschlag
- Atemnot, Bronchospasmus
- Verstopfung
Selten:
- Schwere allergische Reaktionen
- Verschlechterung der Nierenfunktion
- Thrombozytopenie
- Verstärkung einer Psoriasis
Hinweis: Orthostatischer Schwindel tritt besonders bei Therapiebeginn und Dosissteigerung auf. Langsames Aufstehen wird empfohlen.
Wechselwirkungen
Kontraindiziert mit:
- Verapamil oder Diltiazem i.v.
- MAO-Hemmer (Ausnahme MAO-B-Hemmer)
Vorsicht bei:
- Digoxin → erhöhte Digoxin-Spiegel
- Insulin und Antidiabetika → Hypoglykämie-Maskierung und -Verstärkung
- Rifampicin → verminderte Carvedilol-Spiegel
- Cyclosporin → erhöhte Cyclosporin-Spiegel
- Clonidin → Rebound-Effekt bei gleichzeitigem Absetzen
- Narkosemittel → verstärkte Hypotonie und Bradykardie
- CYP2D6-Hemmer (Fluoxetin, Paroxetin) → erhöhte Carvedilol-Spiegel
Wichtig: Carvedilol wird über CYP2D6 und CYP2C9 metabolisiert. Hemmer dieser Enzyme können die Wirkung von Carvedilol verstärken.
Häufige Fragen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Lesen Sie vor der Einnahme die Packungsbeilage.





