Was ist Ebrantil (Urapidil)?
Ebrantil® (Wirkstoff Urapidil) ist ein Antihypertensivum mit einem einzigartigen dualen Wirkmechanismus: Es blockiert periphere Alpha-1-Rezeptoren und stimuliert gleichzeitig zentrale Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren. Diese Kombination senkt den Blutdruck ohne die reflektorische Herzfrequenzerhöhung, die bei anderen Vasodilatatoren häufig auftritt.
Urapidil wird bei schwerem Bluthochdruck eingesetzt, der auf andere Medikamente nicht ausreichend anspricht. Als Injektionslösung ist es eines der Standardmedikamente für hypertensive Notfälle in der Notaufnahme. Oral ist es als Ebrantil® Retardkapseln erhältlich.
Im Gegensatz zu den meisten Bluthochdruckmedikamenten hat Urapidil keinen negativen Einfluss auf den Stoffwechsel (Blutzucker, Blutfette) und kann sogar die Insulinsensitivität verbessern.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Urapidil
Urapidil hat einen dualen Wirkmechanismus:
1. Periphere Alpha-1-Blockade:
- Blockiert Alpha-1-Rezeptoren an den Blutgefäßen
- Arterien und Venen erweitern sich
- Peripherer Gefäßwiderstand sinkt
- Blutdruck fällt
2. Zentrale Serotonin-Wirkung (5-HT1A-Agonismus):
- Stimuliert zentrale 5-HT1A-Rezeptoren im Hirnstamm
- Hemmt den Sympathikustonus zentral
- Verhindert die reflektorische Herzfrequenzerhöhung
- Gleichmäßige Blutdrucksenkung ohne Herzrasen
Vorteile des dualen Mechanismus:
- Keine reflektorische Tachykardie (im Gegensatz zu reinen Alpha-Blockern)
- Keine Natriumretention
- Stoffwechselneutral (kein negativer Einfluss auf Blutzucker/Blutfette)
- Kann Insulinsensitivität verbessern
Wirkungseintritt: Retardkapseln: nach 30-60 Minuten. Intravenös: innerhalb von 5 Minuten. Wirkdauer der Retardform: 10-14 Stunden.
Für wen ist es geeignet?
Ebrantil® (Urapidil) ist geeignet für:
- Mittelschwerer bis schwerer Bluthochdruck
- Therapieresistenter Bluthochdruck (als Zusatzmedikament)
- Hypertensive Krisen und Notfälle (i.v.)
- Perioperative Blutdrucksteuerung (i.v.)
Besonders geeignet bei:
- Bluthochdruck mit metabolischem Syndrom
- Diabetes mit Bluthochdruck (stoffwechselneutral)
- Patienten, bei denen Reflextachykardie unerwünscht ist
- Hypertensive Entgleisung als Notfalltherapie
Nicht geeignet:
- Aortenstenose
- Arteriovenöse Shunts (außer hämodynamisch unwirksame)
- Gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern
- Schwangerschaft und Stillzeit
Verfügbare Dosierungen
Bluthochdruck (oral, Retardkapseln):
- Startdosis: 30 mg zweimal täglich
- Übliche Dosis: 30-60 mg zweimal täglich
- Maximaldosis: 180 mg täglich (aufgeteilt auf 2 Gaben)
Hypertensiver Notfall (intravenös):
- 25 mg langsam i.v. (über 20 Sekunden)
- Bei unzureichender Wirkung: nach 5 Minuten wiederholen
- Erhaltungsinfusion: 9-30 mg/Stunde
Verfügbare Stärken:
- 30 mg, 60 mg, 90 mg Retardkapseln (Ebrantil®)
- 25 mg/5 ml, 50 mg/10 ml Injektionslösung
Einnahmehinweise
Einnahme (Retardkapseln):
- Zweimal täglich (morgens und abends)
- Kapseln unzerkaut mit Wasser schlucken
- Nicht öffnen oder zerkauen
- Unabhängig von Mahlzeiten
Hinweise:
- Regelmäßige Blutdruck- und Pulskontrollen
- Beim Aufstehen langsam bewegen (orthostatische Hypotonie möglich)
- Besonders in den ersten Tagen auf Schwindel achten
- Nicht abrupt absetzen (langsam ausschleichen)
Bei Notfallanwendung (i.v.): Nur durch medizinisches Fachpersonal unter Monitoring von Blutdruck und EKG.
Gegenanzeigen
Ebrantil® darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Urapidil
- Schwere Aortenstenose
- Gleichzeitig mit MAO-Hemmern
- Schwangerschaft und Stillzeit (unzureichende Daten)
Vorsicht bei:
- Leberinsuffizienz (verlangsamter Abbau)
- Niereninsuffizienz (möglicherweise Dosisanpassung)
- Ältere Patienten (erhöhte Empfindlichkeit)
- Herzinsuffizienz (engmaschige Überwachung)
- Hypovolämie (Blutdruckabfall verstärkt)
Schwangerschaft: Nicht empfohlen. Keine ausreichenden Daten zur Sicherheit in der Schwangerschaft.
Mögliche Nebenwirkungen
Häufig (1-10%):
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Müdigkeit
- Herzklopfen (trotzdem seltener als bei anderen Vasodilatatoren)
Gelegentlich (0,1-1%):
- Orthostatische Hypotonie (besonders zu Beginn)
- Magen-Darm-Beschwerden
- Mundtrockenheit
- Nasenverstopfung
- Schlafstörungen
- Hautausschlag
Selten:
- Priapismus (Dauererektion – Notfall!)
- Thrombozytopenie
- Angioödem
- Schwerer Blutdruckabfall
Vorteil: Im Vergleich zu anderen Alpha-Blockern (z. B. Doxazosin) verursacht Urapidil weniger Reflextachykardie und orthostatische Hypotonie dank der zentralen Serotonin-Wirkung.
Wechselwirkungen
Kontraindiziert mit:
- MAO-Hemmer → schwere Hypotonie
Vorsicht bei:
- Andere Blutdrucksenker → verstärkte Hypotonie
- Alpha-Blocker (Doxazosin, Tamsulosin) → additive Hypotonie
- PDE-5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil) → verstärkte Blutdrucksenkung
- Alkohol → verstärkte Hypotonie
- Cimetidin → erhöhte Urapidil-Spiegel
Gut kombinierbar mit:
- Betablockern
- ACE-Hemmern und Sartanen
- Kalziumkanalblockern
- Diuretika
Hinweis: Urapidil hat ein relativ günstiges Wechselwirkungsprofil und lässt sich gut mit anderen Antihypertensiva kombinieren.
Häufige Fragen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Lesen Sie vor der Einnahme die Packungsbeilage.





