Was ist Ketotifen?
Ketotifen ist ein Antihistaminikum der ersten Generation mit einer einzigartigen Doppelwirkung: Es blockiert H1-Histaminrezeptoren und stabilisiert gleichzeitig Mastzellen, sodass weniger Histamin freigesetzt wird. Damit wirkt es nicht nur symptomatisch, sondern auch vorbeugend.
Ketotifen wird oral als Tabletten oder Sirup und topisch als Augentropfen eingesetzt. Die Augentropfen (z. B. Zaditen® ophtha) sind besonders bei allergischer Konjunktivitis (Bindehautentzündung) beliebt und können sowohl akut als auch prophylaktisch eingesetzt werden.
Die orale Form wird bei allergischem Asthma, allergischer Rhinitis und allergischen Hauterkrankungen angewendet. Ketotifen hat eine langsame Aufdosierung und benötigt einige Wochen, um seine volle mastzellstabilisierende Wirkung zu entfalten.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Ketotifenfumarat
Ketotifen besitzt eine duale Wirkung:
1. Antihistaminerge Wirkung:
- Blockade der H1-Histaminrezeptoren
- Sofortige Linderung von Juckreiz, Niesen, Tränenfluss
- Wirkt an Augen, Nase und Haut
2. Mastzellstabilisierung:
- Hemmt die Degranulation von Mastzellen
- Weniger Histamin und andere Entzündungsmediatoren werden freigesetzt
- Präventiver Effekt bei regelmäßiger Anwendung
- Diese Wirkung setzt erst nach 2–4 Wochen ein
Weitere Eigenschaften:
- Hemmt die Phosphodiesterase (entzündungshemmend)
- Reduziert die Eosinophilen-Aktivierung
- Wirkt bronchodilatatorisch bei allergischem Asthma
Wirkungseintritt:
- Antihistaminerge Wirkung: Innerhalb von 1–2 Stunden
- Mastzellstabilisierung: Nach 2–4 Wochen regelmäßiger Einnahme
Für wen ist es geeignet?
Ketotifen ist geeignet für:
Oral:
- Prophylaxe und Behandlung allergischer Erkrankungen
- Allergisches Asthma bronchiale (prophylaktisch)
- Allergische Rhinitis und Konjunktivitis
- Allergische Hauterkrankungen
Augentropfen:
- Allergische Konjunktivitis (Bindehautentzündung)
- Saisonale und perenniale Augensymptome
- Erwachsene und Kinder ab 3 Jahren
Besonders empfohlen bei:
- Patienten, die sowohl Augen- als auch Nasensymptome haben
- Prophylaktische Behandlung vor der Pollensaison
- Allergischem Asthma als Zusatztherapie
Nicht geeignet:
- Orale Form: Nicht erste Wahl wegen Sedierung
- Nicht zur Akutbehandlung von Asthmaanfällen
Verfügbare Dosierungen
Oral – Erwachsene:
- Anfangsdosis: 1 mg abends (langsam aufdosieren)
- Erhaltungsdosis: 1 mg morgens und 1 mg abends
- Maximaldosis: 2 mg zweimal täglich
Oral – Kinder (6 Monate bis 3 Jahre):
- 0,5 mg (0,25 ml Sirup) zweimal täglich
Augentropfen (Zaditen® ophtha):
- 1 Tropfen zweimal täglich in jedes betroffene Auge
- Morgens und abends
Verfügbare Darreichungsformen:
- 1 mg Kapseln / Tabletten
- 1 mg/5 ml Sirup
- 0,25 mg/ml Augentropfen
Anwendungsdauer:
- Oral: Mindestens 2–3 Monate für volle Wirkung
- Augentropfen: Während der gesamten Allergiesaison
Einnahmehinweise
Orale Einnahme:
- Abends beginnen (wegen Müdigkeit in der Anfangsphase)
- Langsam über 1–2 Wochen auf die volle Dosis steigern
- Mit oder ohne Nahrung
- Nicht plötzlich absetzen (langsam ausschleichen)
Augentropfen:
- Hände waschen vor Anwendung
- Kontaktlinsen vorher herausnehmen (15 Minuten warten nach Einträufeln)
- Tropfen in den Bindehautsack geben
- Auge kurz geschlossen halten
- Tränenpunkt 1 Minute leicht zudrücken
Wichtige Hinweise:
- Die orale Form macht besonders initial müde – Einnahme abends beginnen
- Volle mastzellstabilisierende Wirkung erst nach 2–4 Wochen
- Nicht für die akute Behandlung von Asthmaanfällen geeignet
- Bestehende Asthma-Medikation nicht absetzen
Gegenanzeigen
Ketotifen darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Ketotifen oder sonstige Bestandteile
- Akuter Asthma-Attacke (oral – nicht wirksam bei Akutanfall)
Vorsicht bei:
- Epilepsie (oral – Ketotifen kann die Krampfschwelle senken)
- Gleichzeitiger Einnahme von Antidiabetika (orale Form kann thrombozytopenieartige Zustände auslösen)
- Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
Schwangerschaft und Stillzeit: Für die orale Form liegen keine ausreichenden Daten vor. Augentropfen: Geringe systemische Aufnahme, dennoch ärztliche Rücksprache empfohlen. Ketotifen geht in die Muttermilch über.
Augentropfen:
- Konservierungsmittel kann Kontaktlinsen verfärben
- Bei Augeninfektionen nicht ohne ärztliche Abklärung anwenden
Mögliche Nebenwirkungen
Oral – Häufig (1–10 %):
- Müdigkeit und Sedierung (besonders zu Beginn, lässt oft nach 1–2 Wochen nach)
- Mundtrockenheit
- Schwindel
- Gewichtszunahme (bei Langzeitanwendung)
- Gesteigerter Appetit
Oral – Gelegentlich:
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Nervosität (bei Kindern)
- Schlafstörungen
Augentropfen – Häufig:
- Leichtes Brennen beim Einträufeln
- Augenreizung
- Verschwommenes Sehen (vorübergehend)
Augentropfen – Gelegentlich:
- Bindehautrötung
- Augentrockenheit
- Kopfschmerzen
Hinweis: Die Müdigkeit bei oraler Anwendung ist der Hauptnachteil von Ketotifen. Sie lässt bei den meisten Patienten nach 1–2 Wochen nach. Die Augentropfen haben ein deutlich besseres Verträglichkeitsprofil.
Wechselwirkungen
Orale Einnahme:
- Alkohol und ZNS-dämpfende Substanzen: Verstärkte Sedierung
- Orale Antidiabetika: Mögliche reversible Thrombozytopenie (selten)
- Antihistaminika: Additive Wirkung
- Sedativa, Schlafmittel: Verstärkte Sedierung
Augentropfen:
- Kaum systemische Wechselwirkungen aufgrund geringer Aufnahme
- Andere Augentropfen: 5 Minuten Abstand einhalten
Hinweis: Bei oraler Einnahme ist insbesondere die sedative Wirkung in Kombination mit Alkohol oder anderen sedierenden Medikamenten relevant. Bei den Augentropfen sind klinisch relevante Wechselwirkungen selten.
Häufige Fragen
Ähnliche Medikamente
Passt Ketotifen zu Ihnen?
Ein zugelassener Arzt prüft Ihre Angaben und stellt bei Eignung ein Rezept aus. Diskret und sicher.
Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Lesen Sie vor der Einnahme die Packungsbeilage.





