Was ist Simvastatin?
Simvastatin ist ein HMG-CoA-Reduktase-Hemmer (Statin) und gehört zu den am häufigsten verordneten Cholesterinsenkern weltweit. Es wurde durch die bahnbrechende 4S-Studie (Scandinavian Simvastatin Survival Study) bekannt, die erstmals eine Reduktion der Gesamtsterblichkeit durch eine Statintherapie nachwies.
Simvastatin ist als Generikum von zahlreichen Herstellern erhältlich (z. B. Simvastatin-ratiopharm®, SimvaHEXAL®, Simvastatin-1 A Pharma®). Das Originalpräparat war Zocor®.
Es wird als Prodrug eingenommen und in der Leber zum aktiven Metaboliten Simvastatinsäure umgewandelt. Simvastatin sollte bevorzugt abends eingenommen werden, da die Cholesterinsynthese nachts am höchsten ist.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Simvastatin
Simvastatin hemmt die körpereigene Cholesterinproduktion:
Wirkmechanismus:
- Prodrug: Wird in der Leber zur aktiven Simvastatinsäure (Betahydroxysäure) umgewandelt
- Hemmt die HMG-CoA-Reduktase kompetitiv
- Reduziert die Cholesterinbiosynthese in der Leber
- Kompensatorische Hochregulation der LDL-Rezeptoren
- Vermehrte Aufnahme von LDL-Cholesterin aus dem Blut
Lipidsenkende Wirkung:
- LDL-Cholesterin: Senkung um 25–40 % (dosisabhängig)
- Triglyzeride: Senkung um 10–20 %
- HDL-Cholesterin: Anstieg um 5–10 %
Pleiotrope Effekte:
- Plaquestabilisierung
- Entzündungshemmung
- Verbesserung der Endothelfunktion
- Antithrombotische Wirkung
Wirkungseintritt: Messbare LDL-Senkung nach 2 Wochen. Maximaler Effekt nach 4–6 Wochen.
Für wen ist es geeignet?
Simvastatin ist geeignet für:
- Erwachsene mit Hypercholesterinämie
- Patienten mit koronarer Herzkrankheit (Sekundärprävention)
- Diabetiker mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko
- Primärprävention bei Hochrisikopatienten
Besonders geeignet:
- Wenn eine moderate LDL-Senkung (25–40 %) ausreicht
- Bei Patienten mit langjähriger guter Verträglichkeit
- Kostenbewusste Therapie (günstigstes Statin)
Nicht geeignet:
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Aktive Lebererkrankung
- Gleichzeitige Einnahme starker CYP3A4-Hemmer
- Wenn eine LDL-Senkung > 40 % erforderlich ist (besser Atorvastatin oder Rosuvastatin)
Verfügbare Dosierungen
Startdosis:
- 10–20 mg einmal täglich abends
Übliche Dosierungen:
- 10 mg: Leichte Cholesterinerhöhung
- 20 mg: Standarddosis für die meisten Patienten
- 40 mg: Stärkere Senkung erforderlich
Maximaldosis:
- 80 mg: Nur bei Patienten, die diese Dosis bereits seit > 12 Monaten ohne Muskelprobleme vertragen. Neueinstellung auf 80 mg wird NICHT mehr empfohlen (erhöhtes Myopathie-Risiko).
Verfügbare Stärken:
- 10 mg, 20 mg, 40 mg, 80 mg Filmtabletten
LDL-Senkung nach Dosis:
- 10 mg: ca. 25–30 %
- 20 mg: ca. 30–35 %
- 40 mg: ca. 35–40 %
Wichtig: Wenn > 40 % LDL-Senkung nötig ist, Wechsel auf Atorvastatin oder Rosuvastatin erwägen statt Simvastatin 80 mg.
Einnahmehinweise
Einnahme:
- Einmal täglich ABENDS einnehmen
- Unabhängig von Mahlzeiten
- Filmtablette mit Wasser schlucken
Warum abends? Die körpereigene Cholesterinsynthese ist nachts am höchsten. Simvastatin hat eine kurze Halbwertszeit (2–3 Stunden), daher ist die Abendeinnahme wichtig für die maximale Wirkung.
Wichtige Hinweise:
- KEINE großen Mengen Grapefruitsaft (Wechselwirkung!)
- Erste Laborkontrolle nach 4–12 Wochen
- Regelmäßig Leberwerte und Lipidprofil kontrollieren
- Bei Muskelschmerzen, Muskelkrämpfen oder dunklem Urin: Sofort Arzt informieren
- Alkohol in Maßen
Gegenanzeigen
Simvastatin darf nicht eingenommen werden bei:
- Aktiver Lebererkrankung oder ungeklärter Transaminasenerhöhung
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Überempfindlichkeit gegen Simvastatin
- Gleichzeitiger Einnahme von: Itraconazol, Ketoconazol, Posaconazol, HIV-Proteasehemmern, Erythromycin, Clarithromycin, Telithromycin, Nefazodon, Cobicistat, Gemfibrozil, Ciclosporin, Danazol
Vorsicht bei:
- Hypothyreose
- Niereninsuffizienz
- Hohem Alkoholkonsum
- Muskelerkrankungen in der Vorgeschichte
- Älteren Patienten (> 70 Jahre)
- Asiatischer Abstammung (erhöhte Myopathie-Rate)
Schwangerschaft: Strikt kontraindiziert. Sichere Verhütung erforderlich.
Mögliche Nebenwirkungen
Häufig (1–10 %):
- Kopfschmerzen
- Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Blähungen, Durchfall, Verstopfung)
- Myalgie (Muskelschmerzen)
- Erhöhte Leberenzyme
- Obere Atemwegsinfektionen
Gelegentlich (0,1–1 %):
- Schwindel
- Schlafstörungen
- Hautausschlag
- Verdauungsstörungen
- Erhöhte Blutzuckerwerte
Selten, aber ernst:
- Myopathie (CK > 10-fach erhöht, besonders bei 80 mg)
- Rhabdomyolyse (schwerer Muskelzerfall – Notfall!)
- Hepatitis
- Pankreatitis
80-mg-Dosis: Die Myopathie-Rate ist bei 80 mg signifikant höher als bei niedrigeren Dosen. Daher wird eine Neueinstellung auf 80 mg nicht mehr empfohlen.
Wechselwirkungen
Kontraindiziert (erhöhtes Rhabdomyolyse-Risiko):
- Starke CYP3A4-Hemmer: Itraconazol, Ketoconazol, Erythromycin, Clarithromycin, HIV-Proteasehemmer
- Gemfibrozil
- Ciclosporin
- Danazol
Dosisbegrenzung bei:
- Amiodaron: Simvastatin max. 20 mg
- Verapamil, Diltiazem: Simvastatin max. 20 mg
- Amlodipin: Simvastatin max. 40 mg
- Lomitapid: Simvastatin max. 40 mg
Weitere Wechselwirkungen:
- Grapefruitsaft: CYP3A4-Hemmung → erhöhte Spiegel
- Warfarin: Verstärkte Gerinnungshemmung
- Colchicin: Erhöhtes Myopathie-Risiko
- Fusidinsäure: Kombination kontraindiziert
Wichtig: Simvastatin hat mehr Wechselwirkungen als Atorvastatin oder Rosuvastatin, da es stärker über CYP3A4 abgebaut wird.
Häufige Fragen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Lesen Sie vor der Einnahme die Packungsbeilage.





